Zu einem mutigen Schritt hat sich die katholische Pfarrei St. Wolfgang in Hausen mit ihren 460 Mitgliedern entschlossen. Sie lässt ihre denkmalgeschützte Siemann-Orgel gründlich reinigen und reparieren. Mitte Januar wurde das Instrument komplett abgebaut und zur Firma Mainfränkischer Orgelbau in Karlstadt/Stetten gebracht. Es wird einige Monate dauern, bis die Orgel in Hausen wieder erklingt. Bis dahin stehen auf der Empore noch etliche Elektro-, Umbau- und Sanierungsarbeiten an.
Die Kirchenverwaltung mit Augustinerpater Matthäus Klein als Seelsorger vor Ort, Pfarrer Helmut Rügamer als Leiter des Pastoralen Raums und der Pfarrgemeinderat als Verantwortliche haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, so ein umfangreiches Werk in Angriff zu nehmen. Rund 65.000 Euro wird die Sanierung kosten, zuzüglich der bauseitigen Umbauarbeiten. Die Orgel wird nämlich nicht nur generalüberholt, sondern auch versetzt.
Die Versetzung von der Außenwand in die Mitte der Empore bietet laut Diözesanmusikdirektor und Orgelsachverständigem Rainer Aberle trotz des Aufwands klare Vorteile: Eine bessere Luftversorgung aus dem Kirchenraum wirkt sich positiv auf die Stimmhaltung und Klangentfaltung aus. Zudem wird der Spieltisch für künftige Wartungen besser zugänglich sein und der Innenraum der Kirche optisch aufgewertet.
Rechnet sich eine solche Investition für eine Kirche der Kategorisierung C überhaupt? Diese Frage wird im Dorf durchaus diskutiert. Angesichts sinkender Zahlen von Mitgliedern, Kirchgängern und Ehrenamtlichen sowie weniger Gottesdienste in der Pfarrkirche ist die Skepsis spürbar. Andererseits ist die Orgel ein wertvolles und erhaltenswertes Kulturdenkmal. Ohne eine Ertüchtigung kann sie nicht weiter betrieben werden.
Die Substanz der Orgel mit ihren acht klingenden Registern ist gut, doch Alterserscheinungen und Verschmutzung setzten ihr stark zu. Manche Töne blieben einfach weg und der Doppelfaltenbalg ist undicht und muss ersetzt werden. „In diesem Zustand war unsere desolate Orgel für die Organisten und Gottesdienstbesucher nicht mehr tragbar“, erklärt der ehemalige Kirchenpfleger Alfons Konrad, der das Projekt weiterhin als Ansprechpartner begleitet.
Es liegt ihm am Herzen, „solche Instrumente für unsere Pfarrei und als Kulturgut zu erhalten“. Das historische Prospektgehäuse der Vorgängerorgel von Joseph Bendel aus Marktheidenfeld im barocken Stil und mit seinem lebhaften Muschelwerk stammt bereits von 1777. Das Orgelwerk selbst, mit 567 Pfeifen und über 800 Windladen, wurde 1933 in der Orgelbauwerkstätte von Willibald Siemann in München gebaut. Sie zählte seinerzeit zu den führenden Firmen in Bayern.
Die Fachstelle Kirchenmusik der Diözese Würzburg unterstützt die Orgelsanierung mit einem Zuschuss von 27.750 Euro. Die Kirchenverwaltung hofft auf weitere Zuschüsse, beispielsweise vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Erfreulicherweise wurden bereits 8100 Euro gespendet, doch die Deckungslücke ist noch groß. Aber die Pfarrei will sich nach Kräften einbringen, Spendenaufrufe starten und bei Aktivitäten Einnahmen generieren.
Dass die Gemeinschaft der Pfarrei St. Wolfgang grundsätzlich hinter dem Projekt steht, zeigte sich beim Abbau: Acht Männer waren nötig, um den schweren Spieltisch mittels Gabelstapler über die Brüstung der Empore zu heben. Das war eine spektakuläre Aktion, die man im Kirchenraum nicht alle Tage sieht.
Die Pfarrgemeinde hat das jedenfalls Ziel, dass ihre Taufen, Kommunionfeiern, Hochzeiten, Beerdigungen und „unsere ganz gewöhnlichen Gottesdienste“ auch künftig von festlicher Orgelmusik begleitet werden.
Spendenkonto: Katholische Kirchenstiftung Hausen bei der Liga-Bank Würzburg unter DE75 7509 0300 0103 0286 82.


















